MARIANNE VITALE - FAT CITY

Contemporary Fine Arts freut sich, die Ausstellung Fat City mit neuen Arbeiten von Marianne Vitale zu präsentieren.

 

In ihrer zweiten Einzelausstellung bei CFA zeigt Vitale zwei Serien von Skulpturen. Mit den Common Crossings, Weichen amerikanischer Eisenbahnschienen, von denen sie hier einen neuen Zyklus zeigt, macht sie bereits seit einigen Jahren international auf sich aufmerksam.

 

Erstmals zu sehen ist eine neue Serie bemalter, hölzerner Boxerfiguren. Die Form der Boxers entlehnt sich einem amerikanischen Spielzeug aus den 1920er Jahren. In einer narrativen Ordnung arrangiert, inszenieren die fünf Skulpturen einen Boxkampf vom ersten Schlag bis zum K.O.

 

In den Stahlarbeiten setzt Vitale ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte der amerikanischen Infrastruktur fort, beschäftigt sich mit deren kultureller Degeneration und der darauffolgenden Nostalgie.

 

Der Ausstellungstitel stammt von dem 1969 erschienenen Roman von Leonard Gardner, der 1972 von John Huston verfilmt wurde. Gardner verwendet den Begriff „fat city“ – ein altmodischer Slang, um einen Zustand des entspannten Wohlstands zu beschreiben – ironisch. Er erzählt die Geschichte von Billy Tully, einem depressiven Alkoholiker und halb pensionierten Boxer, für den der Boxring sowohl ein sentimentaler Ort, als auch Potenzial ist, als er wieder zu trainieren beginnt. Tully lässt sich durch die Straßen von Stockton im kalifornischen Längstal treiben, einem Ort, der mit seinen zusammenbrechenden Veranden, runtergekommen Spelunken und Lastwagen, die Männer zur Obsternte auf die Felder karren, von der harten Wirklichkeit der amerikanischen „Manifest Destiny“ zeugt. „Manifest Destiny“ bezeichnet eine Doktrin des 19.Jahrhunderts, die besagte, dass die USA einen quasi göttlichen Auftrag haben, den Kontinent bis zum Pazifik hin zu erschließen.

 

Der Boxfilm ist ein bekanntes Genre, und viele solcher Filme finden ihren Höhepunkt in einem triumphalen Knockout. Im Gegensatz zu dieser Tradition ist Fat City eine Geschichte, die eher von stumpfer Beharrlichkeit und bloßem Überleben erzählt, nicht von aufregenden Siegen. Roman und Film spüren der fragilen männlichen Identität von Tully und seinen Kollegen im Kontext des hypermaskulinen Boxrings nach. Indem die Künstlerin davon extrahiert, destabilisiert Vitale wieder einmal traditionelle Begriffe maskuliner Bedeutung und Inhalte. 

 

Die Serie Common Crossings [Gleiskreuzungen] führt Überbleibsel des amerikanischen Eisenbahnwesens, Artefakte einer einst blühenden Industrievergangenheit, die den amerikanischen Exzeptionalismus befeuerten, einem neuen Zweck zu. Ihr Material und ihre imposante, strenge Form werden oft als maskulin betrachtet. Vitales Beherrschen des Materials untergräbt geschlechterbezogene Assoziationen und die Idee von männlichen Territorien. 

 

Vitales Stahlarbeiten und antike Boxerspielzeuge zeugen von Nostalgie; gleichzeitig zeigen sie auch den unvermeidbaren, unumkehrbaren Verfall und das Obsolet werden von Objekten in einer sich verändernden Welt.

 

Marianne Vitale (geboren 1973 in East Rockaway, NY) hat an der School of Visual Arts in New York studiert. Sie lebt und arbeitet in New York

 


Contemporary Fine Arts is pleased to present Fat City, featuring a new body of work by Marianne Vitale.

 

For her second exhibition at CFA, Vitale presents a series of sculptures: steel ‘Common Crossings’ and painted wooden ‘Boxers.’ The ‘Boxers’ shape has been appropriated from an antique handheld American toy. Arranged in a narrative order, the five sculptures enact a boxing match from first punch to knockout. The steel works continue Vitale’s engagement with a history of American infrastructure, exploring notions of cultural degeneration and subsequent nostalgia.

 

The exhibition takes its title from the 1969 Leonard Gardner novel, which was adapted into a film by John Huston in 1972. Gardner employs the term “Fat City”—outdated slang describing a state of comfortable prosperity—ironically. He tells the story of Billy Tully, a dejected alcoholic and semi-retired boxer, for whom the arena is at once a space of regret and potential as he begins to train again. Tully drifts through the streets of Stockton in California’s central valley, a locale that comes to represent the harsh reality of America’s Manifest Destiny with its collapsing front porches, dilapidated dive bars, and trucks carting men to the fields to pick fruit.

 

The boxing film is a familiar motif to viewers, with many such films culminating in a triumphant knockout. Contrary to this tradition, Fat City is a story of dull persistence and mere survival instead of thrilling victory. It traces the fragile masculine identity of Tully and his peers in the context of the hyper-masculine boxing arena. In extracting from this, Vitale continues to destabilize notions of traditionally masculine material and content.

 

Much like Vitale’s ‘Worthies’ (2014), the new series of ‘Common Crossings’ repurpose remnants of America’s railroads, artifacts of a booming but bygone industrial past that fueled an American exceptionalism. Their material and imposing, severe form is often characterized as inherently masculine. Vitale’s mastery of the material seeks to subvert gendered associations and the conception of sanctified male realms.

 

Vitale’s steel works and antique boxer toys both signify nostalgia while simultaneously tracing the inevitable entropic decay and disuse of objects in changing times.

 

Marianne Vitale (b. 1973, East Rockaway, NY) graduated from the School of Visual Arts, New York. She lives and works in New York.